Rahmenbedingungen für Transport von Biomasse – ökonomische und ökologische Bilanz

Es gibt im Projektgebiet nur wenige Transportwege, die für den grenzüberschreitenden Transport von Biomasse geeignet sind. Dies bringt entsprechende Nachteile für die ökonomische und ökologische Bilanz des grenzüberschreitenden Transports mit sich, da allgemein mit zunehmender Transportentfernung die spezifischen Transportkosten und Umweltbelastungen steigen. Dies gilt insbesondere für Biomasse aus der landwirtschaftlichen Erzeugung. Grenzüberschreitend benachbarte landwirtschaftliche Flächen größerer Art in der Nähe von für den entsprechenden Transport geeigneten Grenzübergängen finden sich beispielsweise im Gebiet um Varnsdorf - Seifhennersdorf - Rumburk – Neugersdorf mit dem ohne Tonnagebegrenzung nutzbaren Grenzübergang S 148 Neugersdorf-Rumburk.
Die Transportpreise der tschechischen Firmen werden nach Aussage der befragten Firmen in den meisten Fällen pro Kilometer bestimmt unabhängig davon, ob das Fahrzeug leer oder beladen fährt. Die meisten Landwirte besitzen mindestens einen Traktor und einen Anhänger, so dass sie gewisse Mengen selbst transportieren können. Bei Fremdtransporten muss vorher geklärt sein, ob der Landwirt über geeignete Ladungstechnik verfügt. Bei der Fahrt nach Deutschland ist durch den Umweg über Rumburk (Grenzübergang ohne Tonnage-Begrenzung) der Transport nicht mehr besonders wirtschaftlich und umweltfreundlich. Ferner ist bedenklich, dass es im tschechischen Projektgebiet bislang keine Spedition gibt, welche feste Gärreste transportieren kann. Diese Transporte müssen daher Firmen aus dem Raum Mělník (- Liberec 90 km) oder Most ( – Liberec 140 km) sichern, die hierbei entstehenden Transportkosten machen jedoch die grenzüberschreitende Nutzung von Biomasse schnell unwirtschaftlich. Für den Transport von verarbeitetem Holz werden von den tschechischen Spediteuren nicht nur Preise pro km angeboten, manche Transportunternehmen bieten auch „Zonenpreise“ an, d.h. dass je nach Entfernung ein Festpreis verhandelt wird.

 

Transportpreise tschechischer Firmen

Um Aussagen zur ökologischen Bilanz des Transports der ausgewählten Biomassesubstrate treffen zu können, wurde wiederum die Datenbank „Untersuchung der ökonomischen Nachhaltigkeit möglicher Biomasseproduktlinien (OekonNachTool)“ als methodische Grundlage genutzt. Folgende Prozessschritte können damit auf ihre Treibhausgasemissionen untersucht werden:

  • Rohstoffproduktion: Aufwendungen zur Produktion der unterschiedlichen Rohstoffe und Substrate. Dazu zählen alle Emissionen und Aufwendungen aus der Produktion und Nutzung von Düngemittel, Diesel und Pflanzenschutzmitteln
  • Biomassebereitstellung: Transportprozesse zur Konversionsanlage (inkl. mögliche Aufbereitungsformen Häckseln und Pelletieren)
  • Konversion: Umwandlung der Biomasse in Nutzenergie

Summe Treibhausgasemissionen für Anbau und Transport ausgewählter Biomassesubstrate

Treibhausgasemissionen differenziert nach Anbau, Transport und Konversion

Im Ergebnis zeigt sich, dass die Transportentfernung nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch aus Umweltsicht begrenzender Faktor ist. Insbesondere bei Silagesubstraten entstehen bei weiten Transportentfernungen THG-Emissionen in einer Größenordnung, die die ökologischen Vorteile der Biomassenutzung zu einem Großteil wieder zunichte machen.