Struktur der öffentlichen Abfallentsorgung

Nachfolgende Tabelle gibt zunächst einen Überblick über relevante Erzeuger energetisch verwertba-rer Biomassearten aus dem Bereich Abfallwirtschaft und Landschaftspflege.

Übersicht Struktur der öffentlichen Abfallentsorgung

 

 

Für die Sammlung, Beförderung, Verwertung und Entsorgung von Abfällen aus Haushalten und in haushaltsüblichen Mengen aus Industrie und Gewerbe sind auf deutscher Seite die Landkreise Baut-zen und Görlitz als öffentlich-rechtliche Einrichtungen zuständig. Sie können sich zur Aufgabenerfül-lung privater Unternehmen bedienen (s. Anlage 7).
Die Landkreise sind für ihr gesamtes Kreisgebiet Mitglied des Regionalen Abfallverbandes Oberlau-sitz-Niederschlesien (RAVON). Dieser ist für die Betreibung von Abfallentsorgungsanlagen einschließ-lich der Verwertung und Beseitigung der Abfälle zuständig, soweit die Verwertung und Beseitigung nicht den Landkreisen obliegt.

 

 

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Im Jahr 2010 wurde das deutsch-polnische Ziel3-Projekt „RegRec - Regionale Entsorgung und Recyc-ling in den Kreisen Görlitz und Zgorzelec“ initiiert, eine Initiative der SAPOS gGmbH und der polni-schen Stiftung „Zentrum für Unternehmensförderung“. Ziel der Initiative ist die Entwicklung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Verwaltung, Verbänden, Unternehmen und Forschung bei der Entsorgung und Recycling von Abfällen in der Region Görlitz – Zgorzelec. Inhalte sind neben der Erfassung regionaler Zuständigkeiten, abfalltechnischer Daten und EU-rechtlicher Rahmenbedin-gungen die Schulung, Vernetzung und das Management vorhandener Kompetenzen und Kapazitäten.

Kompostierungsanlagen und Deponien

Biogene Siedlungsabfälle werden i.d.R. kompostiert, können aber auch vergoren werden. Neben der Eigenkompostierung von privaten Haushalten, Gemeinden oder Gewerbebetrieben gibt es im deut-schen Teil des Projektgebietes 21 Kompostierungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von etwa 240.000 t/a. Aufgrund verschiedener Datenquellen mit unterschiedlichem Datenstand sind hier Ab-weichungen anzunehmen. So ergibt eine aktuelle Befragung von 12 Anlagen der Region im Rahmen der „Bioabfallpotenzialstudie Sachsen“ (zum Zeitpunkt der Projektbearbeitung noch nicht veröffent-licht) gerade mal eine Kapazität von knapp 85.000 t/a. Räumliche Schwerpunkte der Anlagen befin-den sich im Umland der Städte Hoyerswerda, Bautzen, Löbau und Dresden.
Von den 8 Restabfallentsorgungsanlagen ist nach Inbetriebnahme der T.A. Lauta nur noch die Depo-nie Kunnersdorf (Landkreis Görlitz) geöffnet. In den Deponien Kunnersdorf und Nadelwitz wird das anfallende Deponiegas zu >90% verstromt (>600.000 m³ Gas).
Für die Behandlung der Restabfälle vor der Deponierung wird seit 2004 die Thermische Restabfallbe-handlungsanlage Lauta (T.A. Lauta) durch einen privaten Anbieter betrieben. Die Anlagenkapazität beträgt 225.000 Jahrestonnen. Die Nutzung der Anlage durch den RAVON für 110.000 bis 150.000 t/a wurde in Verträgen geregelt. Für die Anlieferung der Abfälle aus den Landkreisen stehen folgende Umladestationen des RAVON bereit:

  • Landkreis Bautzen: Umladestationen Bautzen OT Nadelwitz und Großröhrsdorf
  • Landkreis Görlitz: Umladestationen Reichenbach OL und Weißwasser

Die Standorte der Umladestationen wurden unter Berücksichtigung der Abfallschwerpunkte und in der Nähe befindlicher Bahnverladungsmöglichkeiten festgelegt.
In der Tschechischen Republik kommt es seit der EU-Erweiterung zur Intensivierung der Wiederver-wertung von Bioabfällen. Die Faustregel für den Umgang mit Abfall lautet Vermeiden, Reduzieren, Wiederverwenden und Wiederverwerten. Mit dieser Intention gibt es immer mehr Aktivitäten und Initiativen auf allen Ebenen. Ein Beispiel dafür ist aktuell das Projekt „Sammlung und Wiederverwen-dung von Pflanzenölen aus Haushalten und Schulküchen“ (www.sberoleje.cz). Im Rahmen dieses Projektes werden Öle aus Haushalten, die sonst mit dem Abwasser „entsorgt“ würden, gereinigt, raffiniert und für die Biobrennstoffherstellung genutzt.
„Als Lösung für die Reduzierung von kommunalem Biomüll auf den Deponien wird vor allem die ge-trennte Müllsammlung gesehen, wodurch ein bedeutender Teil des Mülls abgetrennt wird, der an-sonsten auf Deponien enden würde. Dies, zusammen mit der Kompostierung in den Haushalten, würde bedeutend zur Erfüllung der Ziele der Deponierichtlinie (Council Directive 1999/31/EC of 26 April 1999 on the landfill of waste) beitragen. ...“ (Forschungsvorhaben des Umweltministeriums Nr. 0002071102 - Forschung zur Abfallwirtschaft im Rahmen des Umweltschutzes und der nachhaltigen Entwicklung (Vorbeugung und Vermeidung des Entstehens von Müll und deren Bewertung), Jahresbericht 2010, Verantwortlich: Ing. Věra Hudáková)  Als Strategien für die Verarbeitung von Biomüll werden in diesem Forschungsbericht neben biologischen Methoden (Kompostierung und anaerobe Digeszion) die Verbrennung mit Energienutzung empfohlen.

 

Im tschechischen Projektgebiet gibt es 6 bedeutende Kompostierungsanlagen, die sich mit der Ver-wertung von biogenen Abfällen bzw. Grünschnitt befassen. Des Weiteren gibt es zahlreiche kleine private Eigenkompostierungen, da jeder Haushalt eine kleine Kompostierungsanlage bei der Kom-mune beantragen kann. Zur Anzahl und Kapazität dieser Anlagen liegen keine Daten vor. Die Ge-samtkapazität der großen Anlagen liegt bei nur 8.000 t/Jahr. Eine Kompostierungsanlage mit einer geplanten Kapazität von 20.000 t/Jahr wird im Jahr 2012 in Krásná Lípa in Betrieb genommen. Nach der Hygienisierung wird sie auch Teile von Tierkadavern verarbeiten können. In der Planung befinden sich noch zwei weitere Anlagen, eine in Nové Město pod Smrkem mit einer Kapazität von 26.000 t/Jahr und eine in Frýdlant mit 18.000 t geplanter Kapazität pro Jahr. Für beide Anlagen werden der-zeit Machbarkeitsstudien erarbeitet.
Im tschechischen Teil befinden sich des Weiteren 9 Deponien und 3 Verbrennungsanlagen (Anlagen für thermische Behandlung). Davon sind zwei für die Verbrennung von gefährlichen Abfällen be-stimmt. Die Verbrennungsanlagen sind an das energetische Netz angeschlossen und liefern Wärme für die Kommunen. Die Gesamtkapazität liegt knapp unter 100.000 t/Jahr.

Grüngutsammelplätze und Wertstoffhöfe

Für die Sammlung von Biomasse aus Gartenabfällen (Grüngut, Baum-schnitt) und Sperrmüll gibt es im deutschen Teil des Projektgebietes 23 Sammelstellen. Die Grüngutsammel-stellen liegen überwiegend im Land-kreis Bautzen, im Landkreis Görlitz wird Grüngut v.a. über die Biotonne entsorgt.
In jeder größeren Kommune in der Tschechischen Republik gibt es eine Sammelstelle für Grüngut und/oder Wertstoffe. Die Bürger dürfen hier bis zu einem bestimmten Volumen im Jahr ihr Grüngut und Sperrmüll abge-ben. Außerdem stellen 2 mal im Jahr die Kommunen Container bereit, in die man in den Städten Grüngut/ Sperrmüll abgeben kann, diese wer-den dann zur Sammelstelle gebracht. Diese Einrichtungen werden meistens von der Kommune verwaltet.

 

Siedlungsabfallsammlung/-verwertung

 

Quelle: eigene Darstellung

Landschaftspflegeverbände und Straßenmeistereien

Zu den Aufgaben der vier auf deutscher Seite des Projektgebietes aktiven Landschaftspflegeverbän-de gehört u.a. die Pflege von Flurgehölzen, Hecken, Uferbepflanzungen und Wiesen, die von Landwir-ten aus Standort- oder Wirtschaftsgründen nicht bewirtschaftet werden. Ein Teil der dabei anfallen-den Biomasse wird nach Lufttrocknung in Ballen zusammengeführt und an Förster (Ausbringung im Forst) oder Pferde- und Eselzüchter (Einstreu) abgegeben. Der Rest verbleibt ungenutzt auf der Flä-che.

Die Straßenmeistereien sind u.a. für die Pflege von straßenbegleitendem Grün und Gehölzen zustän-dig. Im Landkreis Bautzen gibt es sechs und im Landkreis Görlitz vier dieser Einrichtungen.
Im tschechischen Projektgebiet gibt es 9 zuständige Straßenmeistereien und RSD, welche bis zwei-mal im Jahr das Begleitgrün an Straßen der ersten Ordnung oder Autobahnen (z.B. Mittelstreifen) mähen, sofern sie Geld dafür übrig haben. Zu den Mengen gibt es keine Angaben, soweit sie nicht Bestandteil der gemeldeten Bioabfallmengen sind (Potenzialberechnung Bioabfall).

Kommunale Abwasserbehandlungsanlagen

Die Biomassepotenziale Klärgas und Klärschlamm auf deutscher Seite werden u.a. in den 100 kom-munalen Kläranlagen der Region erzeugt (Anschlussgrad an öffentliche Abwasserbehandlung 2007 LK BZ 79,6%, LK GR 85,4%). 18 dieser Anlagen besitzen eine Behandlungskapazität von mehr als 10.000 Einwohnerwerten. In zwei Anlagen wird Klärgas verstromt. Durch private Betreiber werden zudem verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Klärschlamm angeboten (2009: 32% thermische Entsor-gung, 68% stoffliche Verwertung).

Kläranlagen nach Größenklassen, Stand 2008

 

 

Auf tschechischer Seite liegt als Datenbasis eine detaillierte Studie für den Bezirk Liberec aus dem Jahr 2002 vor. Diese dient den Verwaltungen als Grundlage für den „Entwicklungsplan Wasserversor-gung und Abwasserentsorgung des Bezirkes“. Darin wurden für den Bezirk Liberec 82 Abwasserklär-anlagen ermittelt mit einer geplanten Entwicklung auf 92 Abwasserkläranlagen im Jahr 2015. Von dem anfallenden Abwasser wurden 61,8% durch Kläranlagen gereinigt und 29,2% nicht gereinigt. Der aktuelle Anschlussgrad der Bevölkerung an Abwasserkläranlagen beträgt laut Aussage der MA der Regionsbehörde Liberec - der verantwortlichen Wasserbehörde - ca. 70%. Aktuell werden die Daten durch das Tschechische Statistische Amt aktualisiert.
Der aus der Abwasserklärung produzierte Kläschlamm ist der Potenzialberechnung zu entnehmen. Das Klärgas wird in den meisten Fällen nicht genutzt, in Ausnahmefällen für die Beheizung der Faulkammer oder noch seltener zur Energiegewinnung. Für das Projektgebiet im Bezirk Ústi stehen laut der uns verfügbaren Daten 8 Abwasserklärgasanlagen eines Betreibers zur Verfügung, die derzeit keine Müllbehandlung ermöglichen, diese müssten nachgerüstet werden. Die Investitionskosten für den Ausbau der Abwasserleitungen und Kläranlagen sind häufig Gegenstand der EU-Förderung, was aktuell einige Probleme bereitet. Die kommunalen Kläranlagen sind im Besitz der Gemeinden, der Betrieb wird aber durch private Betreiber gesichert. Dies betrifft auch die Einnahmen aus der Wasserver- und -entsorgung und bringt die Förderbedingung in Gefahr, die Wartung und Pflege der Anlagen durch Eigentümer, Fördergeldempfänger, zu gewährleisten.