Leitfaden für Potenzialermittlung

Ziel der Potenzialanalyse war es, das theoretische und technische Potenzial der Biomasse in den Landkreisen Bautzen und Görlitz möglichst auf kommunaler Ebene zu ermitteln und für die Jahre 2015 und 2020 eine Prognose dieser Potenziale abzugeben. Um die drei Dimensionen (Potenzialart, regionale Tiefe, zukünftige Entwicklung) abbilden zu können, wurde ein Methodenmix erarbeitet und angewandt.
Die Definition der Potenzialarten erfolgte in Anlehnung an den „Leitfaden Bioenergie. Planung, Be-trieb und Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen“ der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR):

  • Theoretisches Potenzial:„…in einer gegebenen Region innerhalb eines bestimmten Zeitraumes theoretisch physikalisch nutzbares Energieangebot“
  • Technisches Potenzial:„…Anteil des theoretischen Potenzials, der unter Berücksichtigung der derzeitigen technischen Möglichkeiten, technisch nutzbar ist“. Anmerkung: hier werden auch derzeitige konkurrierende Nutzungen berücksichtigt.

 

Zur Berechnung der Potenziale von NawaRo auf Ackerland, Getreidestroh und Rapsstroh wurde auf die „Datenbank zur Berechnung regionaler Biomassepotenziale aus dem landwirtschaftlichen Anbau und ausgewählten Reststoffen für den Non-Food-Bereich im Freistaat Sachsen“ der Sächsischen Lan-desanstalt für Landwirtschaft aus dem Jahr 2008 zugegriffen. Diese weist Potenziale auf Ebene der bis 2008 bestehenden alten Landkreise des Freistaates auf. Als Eingangsparameter für die Berechnungen mittels Datenbank wurden folgende Annahmen getroffen:

  • Szenario: „Nachhaltigkeits-strategie Bund“:Reduktion des Zuwachses an Verkehrs- und Siedlungsflächen bis 2020 auf 25 % des Wertes von 2005 gleichmäßig zu Lasten bzw. zu Gunsten aller Nutzungsarten
  • Anteil Brache: 2010, 2015 & 2020: 1% der Ackerfläche
  • Waldmehrung: 0,1% der Ackerfläche pro Jahr
  • Anteil NawaRo-Fläche (Acker-land): 2010 & 2015: 20% 2020: 25%
  • Maximaler Flächenanteil Raps und Silomais: je 25% der Ackerfläche
  • Fruchtartenanteile der Kulturen:
    • Kurzumtriebsplantagen (KUP): 5%
    • Gräser: 5%
    • Getreide Ganzpflanzensillage: 10%
    • Energiemais: 20%
    • Winterweizen: 25%
    • Winterroggen: 5%
    • Triticale: 5%
    • Winterraps: 25%

 

Darüber hinaus berücksichtigt die Datenbank die Bodenverteilung nach Bodentyp auf Ebene der Landkreise. Hier wurde nach Diluvialboden, Verwitterungsboden und Lößboden unterschieden.
Eine weitere Grundlage bildete die von Röhricht und Groß-Ophoff 2006 für die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft erarbeitete Studie „Landwirtschaftliche Biomasse – Potenziale an Biomasse aus der Landwirtschaft des Freistaates Sachsen zur stofflich-energetischen Nutzung“. Hieraus erfolgte die Ableitung der Methodik zur Berechnung von Potenzialen aus Dauergrünland, Brachland und Tierexkrementen.
Wegen des schwer zugänglichen Datenbestandes im Bereich Forstwirtschaft (Daten auf Forstbetriebsebene unterliegen Datenschutz, auf Revierebene nicht fortgeschrieben) wurde der Berechnung dieser Potenziale der Abschlussbericht der „Clusterinitiative Forst & Holz Oberlausitz“, welcher unter Leitung von Dr. Denie Gerold 2010 veröffentlicht wurde, zugrunde gelegt. Die Clusterinitiative untersuchte nicht nur das gleiche Untersuchungsgebiet, sondern stellt nach Aussage von Herrn Dr. Gerold auch die genaueste und aktuellste Aufbereitung forstlicher Biomassepotenziale in der Region dar.
Neben den drei genannten Hauptquellen flossen zahlreiche weitere Expertisen in die Ermittlung der Biomassepotenziale ein.

 

Um die Potenziale für 2015 und 2020 zu prognostizieren, wurden sie an Flächen- bzw. Bevölkerungs-prognosen gekoppelt, bzw. der mehrjährige Trend fortgeschrieben (siehe Abbildung 13). Die Bevöl-kerungsprognose basiert auf Berechnungen des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen (StaLa) für Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern2. Eingang fand die pessimistischere „Variante 2“.

Übersicht Prognose und Potenziale