Das EEG 2012 und die darin intendierten Trendlinien

Substratkonzeptionen sind zu überdenken

 

Grundsätzlich werden mit der Einführung und Systematik der Einsatzstoffklassen
bei gleichzeitigem Wegfall des NaWaRo-Bonus des bisherigen EEG erste wesentliche
Korrekturschritte gegenüber den bisherigen Regelungen eingeführt, insbesondere
betrifft dies
  • die Anerkennung biogener Nebenprodukte und biogener Abfälle [der Einsatz
    von Wirtschaftsdünger wird in besonderer Weise gefördert] als vergütungsfähige
    Rohstoffe und 
  • die Förderung von Multi-Crop-Strategien´ gegenüber monokulturbasierten
    Biogas-/Biomethananlagen   

 

im Vergütungssystem. Einen ersten Überblick gibt die folgende Graphik:

Ausgleichssystem des EEG 2012 [ Quelle: Ron Kirchner]  

Der Einsatz von Mais und Getreide wird ab dem 01. Januar 2012 nur noch bis zu einem Anteil von 60% gefördert. Für alle Biogasanlagen die bisher ausschließlich bzw. wesentlich auf Mais als Substrat zurückgegriffen haben, sind deshalb alternative Substrate nötig, wenn eine komplette Förderung erreicht werden soll. Der Anbau alternativer Energiepflanzen wird hierdurch angeregt.

Der Einsatz tierischer Substrate ist ab 2012 auch wieder in Anlagen erlaubt, die Energiepflanzen verwenden, so dass Co-Fermentationsanlagen endlich ihre berechtigte Renaissance erleben sollten.

Sämtliche vorgenannten Trendlinien bedingen künftig noch konsequenter geeignete und innovative Biomasse-Logistiklösungen, beispielsweise im Kontext regionaler Biomassehöfe.

Wärmenutzungskonzepte sind optimal zu gestalten

60% der bei der Biogasverstromung entstehenden Wärme müssen nach dem neuen EEG 2012 nachweislich genutzt werden, um die Förderprämie zu erhalten (Für Neuanlagen gilt eine Schonfrist für die ersten beiden Betriebsjahre, während derer nur eine 25%iger Wärmenutzung nachgewiesen werden muss.)

Diese Forderung des Gesetzgebers sollte grundsätzlich die Standortwahl für dezentrale Bioenergieanlagen zugunsten der Errichtung an Wärmesenken bzw. des Transports zu Wärmesenken [Microgasnetze, Fern-/Nahwärmenetze] unter-stützen können und so auch neue Allianzen zwischen Erzeugern und Verbrau-chern generieren. Auf der Erzeugerseite wird sich bspw. herausstellen müssen, ob die jahrzehntelangen guten Erfahrungen bspw. Skandinaviens mit Biogas-gemeinschaftsanlagen ermöglichen, dass nicht mehr allein der einzelbetriebliche Standort im Mittelpunkt von Standortentscheidungen steht, sondern die Erzeu-gerbetriebe gemeinschaftlich denjenigen Standort präferieren, der zur optimalen Wärme- oder auch Gasversorgung auf der Verbraucherseite führt.

Direktvermarktung von Naturstrom wird maßgeblicher wirtschaftlicher  Zweck

Zur Entwicklung einer sich eigenständig tragenden Integration der regenerativen Energien in den Energiemarkt, müssen diese unter wirtschaftlichen Aspekten mit den fossilen Energieträgern konkurrieren können und sich im freien Stromhandel bewähren.  Die Direktvermarktung [inklusive der Marktprämie] wird für Biogas-/ Bioenergieanlagen mit einer Leistung > 750 kW ab dem Jahr 2014 verbindlich.

Hier setzt die Marktprämie an, die ab 2012 auch für die Bioenergie gelten wird. In § 33g des EEG 2012 werden die theoretischen Grundlagen der Marktprämie behandelt. Die Berechnung und Höhe der Marktprämie wird in Anlage 4 zum EEG 2012 vorgestellt. Da in die Berechnung der Marktprämie ein energieträger-spezifischer „Referenzmarktwert“ einfließt, der wiederum durch die variierenden Monatsmittelwerte der Stundenkontrakte am Spotmarkt der Strombörse in Leipzig beeinflusst wird, können bei der Direktvermarktung auch erstmals Verkaufserlöse entstehen, die höher sind, als bei dem Modell der Einspeisevergütung.

 

Ausgleichssystem des EEG 2012 [ Quelle: Ron Kirchner]  

Nebenproduktstrategien versus Entsorgungslösungen

Insbesondere die Entwicklung von Investitionen in Biogas-/Biomethananlagen werden derzeit von den europäischen Neuregelungen zur Gärrestverwertung in erheblicher Weise betroffen, wonach zu besorgen ist, dass die landwirtschaftliche Verwertung von natürlichen NPK-Düngern weiter begrenzt wird – ein Prozess der aus Sicht des Kompetenzzentrums Bioenergie den Zielen einer regionalen Kreislaufwirtschaft [der Nährstoffe] zuwiderläuft – oder: Gärprodukte sind unter Maßgabe der Regeln zur Güteüberwachung Nebenprodukte und kein entsorgunspflichtiger Abfall. Dass diese entsprechenden hygienischen Bedingungen zu entsprechen haben, dass diese nach guter fachlicher Praxis anzuwenden sind etc. steht hierbei selbstredend ausser Frage.