Modalitäten Lieferverträge und Preisbildung – Beispiel Energiepflanzen

Die Preisbildung für Energiepflanzen orientiert sich grundsätzlich an einem Referenz-Biogasertrag für die jeweilige Substratart, da ausschließlich die in den Substraten enthaltene nutzbare Energiemenge für den Verwerter von Bedeutung ist.
Laut Kretschmer wird zumeist ein Basispreis zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses fixiert, der sich an der Güte der jeweiligen Substratart und -lieferung richtet. Als Grundlage werden dafür in der Regel die Daten des KTBL genutzt (siehe auch KTBL-Biogasrechner, www.daten.ktbl.de/biogas/), welche die Biogasausbeute auf die Frischmasse, Trockenmasse und den organischen Gehalt in der Trockenmasse angeben. Üblicherweise werden die Basispreise auf den Trockensubstanzgehalt (EUR/t TM) oder den organischen Gehalt in der Trockenmasse (EUR/t oTM) bezogen (und gegebenenfalls aus Gründen der Handhabbarkeit wieder auf EUR/t FM rückgerechnet).
Um auf Veränderungen der Erzeugerkosten reagieren zu können, enthalten entsprechende Verträge eine Preisgleitklausel, ohne die kein Erzeugerbetrieb bereit wäre, mittel- oder langfristige Lieferverträge zu schließen. Festpreisvereinbarungen über längere Laufzeiten, die in der Vergangenheit durchaus üblich waren, sind heute nicht mehr durchsetzbar.
Die Lieferkonditionen sind für alle Substratarten üblicherweise frei vereinbar und richten sich im Regelfall ausschließlich nach den Interessen des landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebs, bzw. danach, wie weit er in der Wertschöpfungskette beteiligt bleiben will. Insofern werden laut Kretschmer im Regelfall Vereinbarungen unterschieden zwischen:

  • auf Halm
  • frei Feldrand
  • ab Silo Landwirt und
  • frei Betriebsstandort Verwerter.

Ob die Parteien die für die verschiedenen Liefergrenzen anfallenden Logistikleistungen dabei selbst übernehmen oder einem landwirtschaftlichen Dienstleister überlassen, ist in jedem Einzelfall individuell und standortbezogen vereinbart.
Die jährlichen Preisänderungen für Gärsubstrate richten sich nach der Veränderung der Jahresdurchschnittspreise von Weizen für die zumeist 3 oder 5 vorangegangenen Jahre. Es hat sich durchgesetzt, sich hierfür vorwiegend auf die MATIF-Preise zu einigen (Euronext), wobei üblicherweise zwischen Erzeuger und Verwerter ein „Preisfenster“ zwischen Mindestpreis zur Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit des Erzeugers und Maximalpreis zur Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit des Verwerters ergänzend vereinbart wird.
Ob es in den jeweiligen Preisgleitklauseln eine ergänzende prozentuale Wichtung zu den obigen Preisveränderungen gibt, die Schwankungen dämpft, wird unterschiedlich aber oft gehandhabt, wobei die Wichtungen zumeist in einem Fenster von 50 bis 75% vereinbart werden.
In der Praxis gibt es Verträge, die neben der Anbindung der Gärsubstratpreise an den Weizenpreis ergänzende Kriterien vereinbaren, insbesondere die Entwicklung der VK/DK-Preis angesichts des erheblichen Einflusses der entfernungsbedingten Transportkosten.
Eine Bindung an Preistrends des internationalen Öl- oder Gashandels auf die Anpassung von Substratpreisen hat zurecht jede Praxisrelevanz verloren. Dem Markt für Gärsubstrate fehlt jegliche Transparenz. Auch im Rahmen der Befragungen der Anlagenbetreiber durch Kretschmer (2011) konnte nur konstatiert werden, dass weder Erzeuger noch Anlagenbetreiber bereit sind, Informationen über Preise und Lieferbedingungen herauszugeben. Genannt wurde lediglich eine Preisspanne von 32 – 36 EUR/t FM Ganzpflanzensilage (Mais). Diese Spanne mag als Anhaltswert für die Preissituation 2011 gelten.

 

Preisfindung für Gärprodukte
Einzig anerkannter Preisbildungsmechanismus für die landwirtschaftliche Verwertung von Gärprodukten ist derzeit der „Düngerersatzkostenwert“.
Unter Berücksichtigung der Nährstoffverfügbarkeit der Einzelnährstoffe des Gärprodukts wird der Düngerersatzkostenwert aus den gemittelten Mineraldüngerpreisen für Stickstoff, Phosphor (als P2O5), Kalium (als K2O), Magnesium (als MgO) und Kalzium (als CaO) und deren jährliche Veränderung errechnet. Rechnerisch bewegt sich der Düngerersatzkostenwert danach aktuell für flüssige Gärprodukte mit einem TS-Gehalt von ~3% zwischen 22 und 25 EUR/t.
Eine weitere Option für die Verwertung von Gärresten stellt seine Nutzung als Brennstoff dar. Dessen Vergütungsgrundlage ist regelmäßig der Untere Heizwert Hu, und bewegt sich aktuell um ~65 EUR/t.